Ein Escape Game zu Migrationen am CEC Émilie-Gourd
Vom Spiel zum gesellschaftlichen Bewusstsein: das Escape Game zu Migration
Alles begann 2019 in den Gängen des Collège et École de commerce Émilie-Gourd in Genf. Auf Initiative von David Pillonel, Lehrperson für Geografie, stellte eine Gruppe von etwa zwanzig freiwilligen Schüler*innen ein pädagogisches Escape Game zu Migration auf die Beine, um es als konkrete Aktion der Sekundarstufe II im Rahmen der Ausgabe des Wettbewerbs «Aktion Frieden!» zu präsentieren. Dieser lud Schülerinnen dazu ein, über das Ziel für nachhaltige Entwicklung Nr. 16 nachzudenken, das darauf abzielt, gerechte, friedliche und inklusive Gesellschaften zu fördern. Ihre Idee? Den Schüler*innen eine immersive Erfahrung zu bieten, um die Komplexität von Migrationswegen, Asylpolitik sowie die Lebensrealitäten hinter den vertrauten Zahlen und Statistiken zu verstehen.
Ein lebendiges und sich ständig weiterentwickelndes Projekt
Der 2020 erstmals im Rahmen des Eduki Wettbewerbs verliehene Françoise Demole-Preis gab dem Projekt entscheidenden Rückenwind: Er machte es möglich, die ursprüngliche Idee in die Praxis zu überführen, die benötigte Ausstattung zu beschaffen und eine dauerhafte Basis für das Projekt zu schaffen. Auch fünf Jahre später ist das Escape Game weiterhin ein voller Erfolg: mehr als 50 Durchführungen pro Jahr, regelmässige Medienberichte und immer neue Schüler*innen-Generationen, die als Game Masters Verantwortung übernehmen und das Projekt weiterentwickeln. Wer hätte erwartet, dass das Escape Game sogar als Team-Building-Format für den UNHCR, für SOS Méditerranée, für verschiedene Organisationen, die mit migrierten Personen arbeiten – teils sogar aus Frankreich angereist – sowie für den Staatsrat des Kantons Genf eingesetzt wird? Und all das wird weiterhin vollständig von Schüler*innen der Sekundarstufe II organisiert.
Das Projekt ist inzwischen hervorragend eingespielt und bietet Schüler*innen jedes Jahr eine besondere Lernerfahrung – sowohl beim Auseinandersetzen mit migrationspolitischen Themen als auch beim Erlernen von Projektmanagement. Das Escape Game hat sich seit seiner Auszeichnung stetig weiterentwickelt. Es hat zahlreiche Phasen der Anpassung und Verbesserung durchlaufen und wächst kontinuierlich weiter, getragen vom freiwilligen Engagement aktuellen und ehemaligen Schüler*innen und Lehrpersonen. Jedes Jahr stossen neue Schüler*innen zum Team hinzu und führen die Arbeit ihrer Vorgänger*innen weiter: Sie erweitern die Rätsel – etwa durch die Entwicklung eines Profils einer ukrainischen Person –, gestalten neue Kulissen, verfeinern die Erzählweise und verbessern ihr Schauspiel oder ihre Videokompetenzen, je nachdem, wo ihre Interessen liegen.
Heute hat sich dieses kollektive Abenteuer sogar in Form eines Vereins strukturiert, der den Artikeln 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches untersteht. Das schafft nicht nur eine verlässliche Struktur und sichert die langfristige Weiterführung des Projekts, sondern stärkt auch die Kompetenzen der beteiligten Schüler*innen. Zugleich zeigt dieses aus einer einfachen, aber mutigen Idee entstandene Projekt, dass man nicht alles von Anfang an durchplanen muss: Entscheidend ist, den ersten Schritt zu machen, auszuprobieren und sich mit anderen zu vernetzen.
«Die Bourse Françoise Demole hat es uns ermöglicht, eine Idee in die Realität umzusetzen. Ohne sie hätten wir nicht so weit kommen und nicht so viele Schüler*innen einbeziehen können.»
— David Pillonel, Lehrperson am CEC Émilie-Gourd und Escape-Game-Ersteller